Aspen RapidWeaver 8 Blog Style
<i>Immobilien</i> <i></i> <i>regional</i>

Immobilien regional

Beim Kauf zählt Schnelligkeit

IMG_6253
Markt. Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen will, muss sich rasch entscheiden. Viele Objekte wechseln innerhalb weniger Wochen den Besitzer, ohne je auf einem Online-Portal gestanden zu sein.

Wer eine Wohnimmobilie zum Kauf sucht, muss heute wesentlich schneller handeln als noch vor einigen Jahren. Waren vor fünf Jahren noch rund 1,5 Millionen Angebote zum Kauf in den Immobilienportalen abrufbar, sind es aktuell nur noch zwischen 200000 und 300000 Objekte. Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der Volksbank Stuttgart Immobilien, führt das darauf zurück, dass sich die Vermarktungszeiten extrem verkürzt hätten. „Manch ein Objekt, das wir freitags online stellen, müssen wir montags wieder entnehmen, weil wir der Anfragen sonst überhaupt nicht mehr Herr werden würden.“

Allein die Volksbank Stuttgart führt in ihrer Datenbank aktuell 11000 Interessenten. Viele Objekte kämen deshalb schon gar nicht mehr auf den Markt, weil zuerst die eigenen Kunden bedient werden, so Jürgen Schäfer. „Deshalb denken viele, dass das Angebot knapp sei. Dabei werden viele Wohnungen zum Kauf heute erst gar nicht mehr über das Internet angeboten.“

Der Immobilienexperte rät Interessenten deshalb auch dazu, möglichst viele Kanäle für die Suche nach der Wunschimmobilie zu nutzen. Corona hat der Immobilienwirtschaft nicht geschadet, wie manch einer vermutet hätte. Eher im Gegenteil. „Wenn die Finanzierungsbestätigung vorliegt, fällt die Entscheidung zum Verkauf/Kauf in wenigen Tagen“, ist die Erfahrung von Jürgen Schäfer. Trotz Corona scheint Geld kein Problem zu sein. „Das Geld sucht in Zeiten von Null-Zinsen immer noch nach Anlagemöglichkeiten.“ Zudem habe die Kurzarbeit auch in der Pandemie den meisten Menschen weiterhin ein Einkommen beschert. Nur in wenigen Fällen kam es in den letzten Monaten zu Ratenaussetzungen bei den Hypothekenkrediten, so Jürgen Schäfer.

Die Nachfrage wird zusätzlich auch von denen angetrieben, die sich belang kein Immobilieneigentum leisten konnten und jetzt aufgrund der niedrigen Zinsen doch noch einen Weg sehen, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Der Immobilienexperte warnt aber davor, sich nur auf die niedrigen Zinsen zu verlassen. Wer in heutigen Zeiten finanziert, sollte mindestens drei Prozent tilgen.

Die große Nachfrage nach Wohnimmobilien lässt auch in Stuttgart die Preise weiter steigen. Dabei waren die Preissteigerungen laut Volksbank Stuttgart Immobilien an den Stadträndern der Landeshauptstadt höher als im Stadtkern. Jürgen Schäfer führt das darauf zurück, dass die Anleger aufgrund der Preisentwicklung und der zu erwartenden Rendite zurückhaltender geworden sind und nicht mehr zu jedem Preis kaufen.

Stadtleben kontra Landleben. Noch vor einigen Jahren drängte es die Menschen in die Städte. Mittlerweile ist hier eine Trendumkehr zu spüren. Beliebt seien derzeit wieder kleinere Gemeinden an den Stadträndern, wo das Wohnen vor allem für Familien mit Kindern oft noch bezahlbar sei.

Coronabedingt habe sich aber auch die Vorstellung des Wohnens verändert, sagt Jürgen Schäfer. „Die Menschen wollen schön und groß wohnen.“ Vor allem, wer durch das Homeoffice an den heimischen Arbeitsplatz gebunden ist, wünsche sich einen separaten Raum zum Arbeiten. Durch den Wegfall der Urlaubsreise konnte Geld gespart werden, das jetzt in die Verschönerung oder Optimierung der eigenen vier Wände investiert werde.

Ein Blick auf die Preisentwicklung im Wohnimmobilienmarkt in Stuttgart zeigt laut Jürgen Schäfer, dass in den meisten Stadtteilen die Preise für Eigentumswohnungen stärker gestiegen sind als für Häuser. „Ein frei stehendes Haus können sich in Stuttgart schon lange nur noch wenige Leute leisten.“ Deshalb sei auch die Nachfrage nach Eigentumswohnungen gestiegen.

Während vor Corona vor allem kleinere Wohnungen gefragt waren, sind jetzt wieder große Wohnungen stärker im Fokus. Das habe teilweise schon dazu geführt, dass die Quadratmeterpreise für große Wohnungen über denen von kleinen Wohnungen liegen. Bislang war das genau umgekehrt.

Welche Auswirkungen die Coronapandemie langfristig auf den regionalen Immobilienmarkt haben wird, ist auch für Jürgen Schäfer nur schwer einzuschätzen. Letztendlich hänge vieles von der Einkommens- und künftigen Zinsentwicklung ab. Und heute wisse auch noch niemand, welche Auswirkungen der Transformationsprozess in der Automobilindustrie auf die Arbeitsplätze in der Region haben wird.

Für die nächsten Jahre sieht Jürgen Schäfer eher weiterhin leicht steigende Preise. Schon heute müssten für eine Wohnung rund acht Jahresgehälter ausgegeben werden, für ein Haus hingegen schon etwas mehr als das Doppelte. Demgegenüber liegt der Anteil an der Miete durchschnittlich bei 28 Prozent des Einkommens. „Wenn die Politik in Zukunft massiv in die Wohnungsmärkte eingreift – die meisten Wahlprogramme sehen es vor – (Beispiel Mietendeckel Berlin), werden zwar die Mieten sinken, die Angebote an Mietwohnungen aber noch mehr“, erläutert Jürgen Schäfer.

Die aktuellen Wohnmarktberichte der Volksbank Stuttgart Immobilien für Stuttgart und den Rems-Murr-Kreis gibt es unter www.vbs.immo.de.