Aspen RapidWeaver 8 Blog Style
<i>Immobilien</i> <i></i> <i>regional</i>

Immobilien regional

Gute Ideen für bezahlbares Wohnen gesucht

IMG_2232

Das Land fördert innovative und übertragbare Ansätze für bezahlbares Wohnen. Für die besten Ideen stehen insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung.



Ob Krankenschwester oder Rentnerehepaar: Immer seltener können sich Bezieher selbst mittlerer Einkommen noch eine Wohnung auf dem freien Markt in den Städten leisten. So schrumpfte der Sozialwohnungsbestand im Land laut Mieterbund in den letzten beiden Jahren um 4.600 Mietwohnungen. Ende 2019 gab es nach einem Bericht der Landesregierung gerade noch 53.800 Sozialwohnungen. Eine Studie des Pestel-Instituts kommt sogar zu dem Schluss, dass der Bedarf an günstigen Wohnungen allein in Baden-Württemberg bei rund 500.000 liegen könnte.

Im Rahmen der Wohnraumoffensive BW hat das Land Anfang des Jahres "Innovativ Wohnen BW" gestartet. Der Wettbewerb, bei dem sich die privatwirtschaftlich oder die öffentlich-rechtlich organisierte Wohnungswirtschaft mit beispielgebenden Projekten um Fördergelder bewerben konnte, soll innovative und zugleich tragbare Ansätze für bezahlbares Wohnen zu Tage fördern. Für die ausgewählten Projekte übernimmt das Land die Patenschaft. Das heißt, sie werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern werden auch fachlich begleitet. Um Nachahmer zu motivieren, werden die Projekte zudem landesweit vernetzt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. "Sie sollen damit als gute Praxis anderen Akteuren am Wohnungsmarkt Mut machen, eigene wegweisende Projekte anzugehen", so die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

Welche Art von Projekten die Expertengruppe dabei im Auge hat, zeigen zwei Beispiele aus der ersten Förderrunde. In Tübingen wurde mit der Dachgenossenschaft Wohnen Tübingen eine Genossenschaft gegründet, die quasi „als Dach“ für individuelle Wohnprojekte und Initiativen die Gründungs-, Bau- sowie Verwaltungsaufgaben übernimmt. Das ist vor allem ein Modell für kleine Baugemeinschaften, die gemeinsam als Genossenschaft ein Grundstück erwerben wollen, sich aber nicht mit den komplexen Abläufen einer Genossenschaftsgründung auseinandersetzen wollen. Außerdem bietet diese Dachgenossenschaft über einen Sozialfonds Menschen mit geringem oder keinem Vermögen Zugang zu gemeinschaftlichen Wohnformen durch Übernahme der notwendigen Genossenschaftsanteile.

Ein anderes Beispiel kommt aus Karlsruhe. Hier beabsichtigt ein Wohnungsunternehmen, bestehenden Garagen in einer Nachkriegssiedlung um Ein- und Zweizimmerwohnungen aufzustocken und diese dann überwiegend als sozial geförderter Wohnungsraum Studierenden und Alleinerziehenden zur Verfügung zu stellen. Interessant bei diesem Ansatz: die Gebäudeaufsätze sollen in moduler Bauweise aus Holz erstellt werden und abhängig von der langfristigen Quartiersentwicklung auch wieder versetzt werden können, so das Konzept.

Wieviel Fördermittel es für ein Projekt gibt, ist offen, da es sich laut Wirtschaftsministerium nicht um ein standardisiertes Verfahren, sondern um eine auf das jeweilige Vorhaben bezogene individuelle Förderung handelt. "Die Bandbreite der bis heute eingereichten Projekte und beantragten Fördermittel bestätigt uns darin, dass sich Qualität oder Innovationsgehalt eines Vorhabens nicht unbedingt am „Preis“ festmachen lassen", heißt es aus dem Ministerium. Die Förderung erfolge dabei nach "intensiven" Gesprächen mit den Projekteinreichern.

Im Rahmen der Förderung könnten sowohl nicht-investive Kosten für die Erstellung von Studien zur Umsetzung eines konkreten Vorhabens als auch baulich-investive Kosten gefördert werden, die den innovativen Mehraufwand des Projektes ausgleichen. Eine Förderung des Gesamtvorhabens sei aber nicht möglich. Ebenso seien zwar die Kosten für Planungsleistungen förderfähig, Personalkosten würden aber nicht übernommen.

Anfang Dezember will Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut verkünden, welche von den rund 60 eingereichten Wohnbau-Projekten aus dem Land im Rahmen der zweiten Förderrunde ausgewählt wurden, um im Rahmen der Patenschaft Innovativ Wohnen BW gefördert zu werden.

Über die eingereichten neuen Projekte ist bislang nur soviel bekannt: mit acht Einreichungen kommen aus der Landeshauptstadt Stuttgart die meisten Einreichungen. Der überwiegende Teil der landesweit eingereichten Projekte betrifft gemeinschaftliche Bauvorhaben. Ein Schwerpunkt der Einreichungen liegt auf der Integration unterschiedlicher Bewohnerschaften, auf lebensphasenorientiertem Wohnen sowie auf inklusiven Wohnformen. Aber auch innovative ökologische Konzepte, die die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien und die Ausgestaltung gemeinschaftlich genutzter Grünflächen planen bis hin zu zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten, wurden eingereicht.

Unterstützung bekommt die Ministerin vom vbw Verband der baden-württembergischen Wohnungs- und Immobilienunternehmen. In dem Verband sind zu einem großen Teil kommunale Wohnungsunternehmen organisiert. "Wir freuen uns, dass die Wohnungswirtschaft hier ihre Innovationsfähigkeit zeigen kann. Übertragbare Leuchtturmprojekte bringen die Branche voran. Sie können dafür sorgen, dass gute Ideen an vielen Stellen im Land aufgegriffen und übernommen werden", heißt es aus dem Verband.

Etwas zurückhaltender äußert sich Rolf Gassmann vom deutschen Mieterbund. Zwar attestiert er der Ministerin, dass seit ihrem Amtsantritt der geförderte Wohnungsbau im Land in Bewegung gekommen sei. So hätten die neuen Programme zwar zu einer Verbesserung der Nachfrage geführt. Insgesamt sehe er aber noch viel Luft nach oben. Prof. Hanspeter Gondring von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart wird deutlicher. Derartige Programme seien "Nice to have", aber führten nicht zu den notwendigen Marktvolumen, die nötig wären, wirklich etwas zu verändern. Andererseits sei jede Wohnung, die dadurch neu geschaffen wird, begrüßenswert, so der Leiter der Studienrichtung Immobilienwirtschaft.